Kennzahlenanalyse bei Banken

ABSTRACT von 40 Seiten

Finanzkennzahlenanalyse bei Banken – zwischen Erkenntnis und Illusion; in: Matthias Fischer (Hrsg.): Wertmanagement in Banken und Versicherungen, Wiesbaden 2004 A�

1.A�A�A�A�A�A�Vorgehensweise in der Untersuchung

2. Bewertung ausgewA�hlter Kennzahlen in modernen Wertsteigerungskonzepten

2.1A�A�A�A�A�A�Marktkapitalisierung und Price/Book-Ratio

2.2A�A�A�A�A�Return on Equity (RoE)

2.3A�A�A�A�A�Employee Growth

2.4A�A�A�A�A�A�A� Net Income und Sales per Employee

2.5A�A�A�A�A�A�A� Cost of Equity (CoE) und Cost of Debt (CoD)

2.6A�A�A�Weighted Average Cost of Capital (WACC)

2.7A�A�A�A�Economic-Value Added (EVAA�)

3.A� Fazit des Kennzahlenvergleichs

 

Abstract: Fazit des Kennzahlenvergleichs

Die vorliegende Studie setzte sich zum Ziel, auf Basis eines transparenten, allgemein zugA�nglichen Datenrahmens wesentliche Finanzkennzahlen von international tA�tigen Banken kritisch zu vergleichen. Aufgrund von unterschiedlichen Rechnungslegungsvorschriften, lA�nderspezifischen Steuergesetzen und aufgrund von Akquisitions- und FusionsaktivitA�ten der Banken sind bei einem Vergleich zahlreiche Bereinigungen durchzufA?hren. Ansonsten wA�re der Vergleich rein auf Basis von unbereinigten GeschA�ftsberichtszahlen von Bloomberg nicht zweckmA�AYig. Vermeintliche Erkenntnisse erweisen sich bei nA�herer Betrachtung insbesondere beim internationalen Vergleich sehr schnell als Illusion a�� auch wenn die Stammdaten aus der gleichen Datenquelle stammen. Als Fazit kA�nnen folgende Punkte festgehalten werden:

In der Marktkapitalisierung haben Citigroup und HSBC Group einen sehr groAYen Vorsprung vor ihren Konkurrenten. Beide Banken sind damit potentielle KA�ufer wenn es zu einer Konsolidierung im europA�ischen Bankenmarkt kommen sollte und sich die Kaufgelegenheiten ergeben. Der Vergleich der Marktkapitalisierung erweist sich fA?r den externen Betrachter aufgrund der Einfachheit, MarktnA�he und AktualitA�t als effizient, erfordert jedoch die Einbeziehung des GeschA�ftsmodells, des Positionierungsvorhabens und des Wachstums. Isoliert gesehen hat sie keine AussagefA�higkeit, ausser, dass die Unternehmen mit niedriger BA�rsenkapitalisierung im Konsolidierungsprozess der Finanzindustrie eine passive Rolle einnehmen mA?ssen. Die externen Wachstumsoptionen sind beschrA�nkt. ZweckmA�AYig ist die Betrachtung der Marktkapitalisierung in Kombination mit der Eigenkapitalrendite und dem Markt-BuchwertverhA�ltnis.A� Hier zeigt sich, warum Investoren bereit sind, bei hoher Eigenkapitalrendite auch hA�here Markt-BuchwertverhA�ltnisse zu bezahlen.

Eine Analyse der GeschA�ftsberichte ergab, dass die Kennzahl ROE als zentrales Steuerungsinstrument der Banken gilt, jedoch nach unternehmensindividuellen MaAYstA�ben modifiziert wird. Erst mit der Einbeziehung der OpportunitA�tskosten (opportunity cost of capital) oder eines Entwicklungsvergleich A?ber eine ausgewA�hlte Zeitspanne sowie der Marktkapitalisierung und strategischen Zielsetzung erlangten die ermittelten Kennzahlen an Aussagekraft. Eine Gegeni??i??berstellung des Return on Equity fA?r das Jahr 2002 mit dem geometrischen Durchschnitt der letzten fA?nf Jahre zeigte deutliche Unterschiede in der Untersuchungsgruppe der Global Player. WA�hrend BNP Paribas, Citigroup, HSBC und UBS einen stabilen RoE aufweisen, sind die anderen Banken im GeschA�ftsjahr 2002 voll von der KapitalmarktschwA�che getroffen worden. Dies zeigt die Unterschiedlichkeit der GeschA�ftsmodelle selbst in dieser Peergroup der Global Player. Um aussagefA�hig zu sein, mA?ssen die RoE-GrA�AYen aufgrund unterschiedlicher steuerlicher Regelungen sowie aufgrund der unterschiedlichen Einbeziehung der Goodwill-Amortisation bei IAS und US-GAAP bereinigt werden.

Die Kennzahl des Employee Growth erwies sich als A�uAYerst ineffizient im Rahmen von Bankenvergleichen. Akquisitionen und Unternehmensabspaltungen bleiben unberA?cksichtigt. Einerseits wurde die Aussagekraft aufgrund des GlA�ttungseffekts A?ber die Jahre geschwA�cht. Andererseits lieferte die KenngrA�AYe nur bedingt Aussagen A?ber mA�gliche Auswirkungen auf die Wertsteigerung im Unternehmen. Das Personalwachstum konnte letztlich nur einen Trend in der Personalpolitik der Unternehmen aufzeigen und die zukA?nftige Kostenentwicklung erahnen lassen.

Die Herausarbeitung des Net Income per Employee oder des Gewinns nach Steuern je Mitarbeiter eignet sich zur Darstellung der Personaleffizienz insbesondere im Rahmen der Balanced ScoreCard aber nicht fA?r die Kapitaleffizienz. US-amerikanische Banken haben in der Mitarbeitereffizienz deutlich besser abgeschnitten, als die kontinentaleuropA�ische Konkurrenz. Die Kennzahl Sales per employee oder BruttoertrA�ge je Mitarbeiter eignet sich ebenfalls zur Darstellung der Personaleffizienz aber sie ist weder risikoadjustiert noch kapitalallokiert.

Die Ermittlung der Cost of Debt, Cost of Equity und WACC konnte aufgrund einer sehr starken Angleichung der KenngrA�AYen nur wenige Unterschiede zwischen den Peergroup-Mitgliedern hervorbringen. Einzig die sehr hohen WACC der britischen HSBC Group weisen auf eine besondere Fremdkapitalzinssituation in den jeweiligen KernmA�rkten der HSBC Group hin. A�hnlich wie bei den vorangegangen Kennzahlen ist eine isolierte Betrachtung nicht zweckmA�AYig. Vielmehr sollten die unterschiedlichen KostensA�tze als Basis fA?r umfassendere Ansi??i??tze, wie beispielsweise EVAA� A�oder Economic Profit gesehen werden, bei denen die Allokation des Kapitalwertes sowie die erwirtschafteten A?berschA?sse in Relation zu den Kapitalkosten in den Vordergrund rA?cken. Trotzdem lohnt sich aus Sicht der Unternehmen ein direkter Vergleich mit den Wettbewerbern, denn erst auf diese Weise kA�nnen signifikante Abweichungen eruiert und mA�gliche GegenmaAYnahmen in Form von strategischen A?berlegungen getroffen werden. FA?r Banken gA�ngig ist lediglich die BerA?cksichtigung der Eigenkapitalkosten. Die Verwendung von Fremdkapitalkosten oder der WACC-GrA�AYe ist bei Banken in der Bewertung nicht zweckmA�AYig.

 

Kennzahlen

Abb. 11: Modifizierter Economic-Value-Added (in Euro) der Unternehmen im Vergleich

Modifizierter Economic-Value-Added (EVA) der Unternehmen im A?berblick
Unternehmen

BNP

C

CSGN

DBK

GS

Common Equity in Mio. i??i??i??

26445.00

73683.39

15777.88

29991.00

16411.61

Return on Common Equity in %

12.46%

17.90%

-13.55%

1.32%

11.12%

Cost of Equity in %

11.66%

10.97%

10.39%

10.96%

10.15%

RoE/CoE (value spread)

1.07

1.63

-1.30

0.12

1.10

EVA in Mio. a��

212.62

5109.78

-3777.01

-2890.52

159.28

Unternehmen

HSBA

JPM

MER

MWD

UBSN

Common Equity in Mio. a��

46758.00

35665.43

19388.55

18900.60

25191.24

Return on Common Equity in %

12.77%

4.03%

11.19%

13.65%

9.07%

Cost of Equity in %

9.89%

12.66%

11.51%

12.22%

9.16%

RoE/CoE (value spread)

1.29

0.32

0.97

1.12

0.99

EVA in Mio. a��

1349.53

-3077.74

-62.09

270.65

-24.24

Quelle: Bloomberg (Stichtag: 03.10.2003, Analysezeitraum: GeschA�ftsjahr 2002)

Tab. 11: Modifizierter Economic-Value-Added (EVA) der Unternehmen im A?berblick

Die Untersuchung im Bereich Economic-Value-AddedA� zeigte, dass die Berechnung der Kennzahl in Form des Entity-Ansatzes bei Banken wenig aussagekrA�ftig ist. Aufgrund der Rechnungslegung in Banken vermischen sich die Fremdkapitalkosten mit den Einlagen und sind als MargenertrA�ge zu verbuchen. Die Einbeziehung der Fremdkapitalkosten (auf Basis WACC im Entity-Ansatz) fA?hrt zu irrefA?hrenden Ergebnissen. Die in der Bankenbranche bevorzugte Messung beachtet ausschlieAYlich KenngrA�AYen der Eigenkapitalseite (Equity-Ansatz) und mA?ndet in den Ansatz des modifizierten Economic-Value-AddedA�. Die Ermittlung der EVA-Kennzahl fA?hrte einerseits zur BestA�tigung der in den vorherigen Kapiteln ermittelten Erkenntnisse, in Form einer herausragenden Stellung des Branchenriesen Citigroup gefolgt von HSBC. Bei der Beurteilung des europA�ischen Marktes fiel insbesondere das im Branchenvergleich sehr erfolgreiche Abschneiden der franzA�sischen BNP Paribas auf. Die Kennzahl EVA liefert im Bankenvergleich die hA�chste AussagefA�higkeit. Voraussetzung ist dabei die adA�quate Ermittlung der RoE, CoE und KapitalgrA�AYen. Bereinigt werden muss wiederum die unterschiedliche BerA?cksichtigung von Goodwill-Abschreibungen bei US-GAAP und IAS. Auch Verzerrungen durch steuerliche Regelungen mA?ssen bereinigt werden; hier fA�llt beispielsweise die Steuerfreiheit auf BeteiligungsverkA�ufe in Deutschland ins Gewicht. Da bei einigen Banken das Net Income nach Bedienung der Minderheitsaktioni??i??re ausgewiesen wird, muss auch bei den anderen Banken die Net Income GrA�AYe bereinigt werden. Beim zugrunde liegenden Eigenkapital sind ebenfalls die Bereinigungen bis zur GrA�AYe des Common Equity durchzufA?hren.

 

Buchveröffentlichungen: